er Nonnenstein befindet sich nördlich des Ortes Rödinghausen. Eine eindeutige
Definition, welche
geographischen Ausmaße die „Nonnenstein" genannte Flur abdeckt, besteht nicht. Im heutigen
Sprachgebrauch
wird mit „Nonnenstein" sowohl die Erhebung nördlich von Rödinghausen als auch der Aussichtsturm
bezeichnet, welcher sich dort auf der Bergkuppe befindet.
Aussichtsturm auf dem Nonnenstein
In beiden Fällen beschreibt die Ortsbezeichnung ein relativ kleines Areal. In der Vergangenheit indes
wurde von manchem Autor geologischer Literatur der komplette Teilbereich des Wiehens „Nonnenstein"
genannt, welcher sich von der Neuen Mühle bis zu den beiden Kellenbergen erstreckt. Die Bezeichnung
„Nonnenstein" bedarf beim Auswerten älterer Schriften also einer großzügigeren Betrachtung,
als es das
heutige Verständnis zuließe. Des ungeachtet wurden die „kleinen Stollen am Nonnenstein" in der
Literatur
der jüngeren Vergangenheit namentlich unverändert übernommen, ein Umstand, welcher den
geologisch
Interessierten eine Orientierung und das Lokalisieren der Abbaue erschweren dürfte, wird man doch
zuerst
den Punkt ansteuern, der heute unter dem Namen „Nonnenstein" bekannt ist. Die kleinen Stollen fanden zwar
in mehreren Arbeiten Erwähnung, die Aufschlüsse wurden jedoch leider nur en passant beschrieben.
Gleichzeitig wird deutlich, dass die Autoren dieser Schriften bereits unterschiedlicher Auffassung waren,
was die Grenzen des Nonnensteins betraf.
Kartensegment einer frühen geolog. Arbeit
mit missverständlich breiter
Bezeichnung des Nonnensteins
Die Le Coqsche Karte a. d. J. 1805:
Der Nonnenstein als Teil des Rödinghauser
Berges,
hier jeweils markiert
Die„Special Charte" a. d. J. 1817
mit dem durch die beiden Taleinschnitte
definierten Rödinghauser Berg
Sollte einer der Urheber der geologischen Arbeiten davon ausgegangen sein, dass der „Nonnenstein"
synonym zum „Rödinghauser Berg" zu verstehen ist, könnte das vielleicht eine Erklärung
für die
uneinheitlichen Bezeichnungen sein. Alle diese geologischen Arbeiten nehmen Bezug auf ältere Arbeiten,
deren Entstehung nicht immer nachzuvollziehen ist. Es gibt in den Dossiers reichlich Quellennachweise und
Zitate, leider wird jedoch nicht immer deutlich, welche Inhalte kraft eigener Untersuchungen
erarbeitet wurden. Eine rekursive Aufarbeitung der Literatur wurde neben der schon beschriebenen
Ungenauigkeit der Ortsbezeichnung auch dadurch erschwert, dass es
unterschiedliche Sichtweisen hinsichtlich der stratigraphischen Einordnung einzelner Horizonte gab. So
wurden die Aufschlüsse zwar benannt, aber vielleicht einem falschen Horizont zugeordnet. Auch heute
noch
ist das exakte Zuordnen z. T. nicht ganz einfach, die davon betroffenen Schichten gehören den Heersumer
Schichten und dem Wiehengebirgsquarzit an, bei letzterem sind die hier vorgestellten Kohlevorkommen zu
verorten.
Wie die Kohle zum Nonnenstein kam
Dass am Nonnenstein Kohle abgebaut wurde, überrascht etwas, ist Kohle doch anderenorts in den
jurassischen Schichten sehr selten anzutreffen. Kohlevorkommen im gleichen Horizont sind bislang
z. B. aus Schottland bekannt. Bei der Kohle am Nonnenstein handelt es sich um eine alochthone Kohle; einer
Kohle
also, deren organisches Ausgangsmaterial nicht da entstanden ist, wo es sich zur Kohle gebildet hat und als
solche nun zu finden ist.
Auch heute noch zu finden: Kohle
am Nonnenstein
Mit anderen Worten: Das Ausgangsmaterial der Kohle bestand aus angeschwemmtem Getreibsel, es war
„Strandgut", welches sich in den Prielen und Vertiefungen einer jurassischen Strandlinie
abgelagert hat, dort im Laufe der Jahrmillionen mit weiteren jurassischen Sedimenten verschlossen und dann
zur Kohle wurde. Bei der Inkohlung spielte der Bramscher Intrusiv eine Rolle, der durch Hitzeeinwirkung
eine Inkohlung hervorrief. Diese Inkohlungsanomalien können bis weit in den Jura des Lübbecker
Raums hinein beobachtet werden.
Klüpfel bestätigte 1931 das massenhafte Auftreten von Pflanzenresten im Wiehenquarzit auch
außerhalb des
Nonnensteins. Er erwähnt sehr häufig auftretende Pflanzenreste vom kohligen Mulm bis zur
Glanzkohle, vom
Pflanzenhäcksel bis zu großen Stammstücken. Eine Überlagerung der
Kausalzusammenhänge mit einem
postulierten Vlothoer Massiv ist nicht auszuschließen. (Die Massive und Intrusive werden beizeiten im
Bereich „Geologie" erörtert. Vorweg sei gesagt, dass es sich bei diesen geologischen
Besonderheiten
um „Vulkane" handelt, die aber nie ausbrachen, durch ihre Platznahme und Hitzebildung jedoch einen
wesentlichen Einfluss auf die Genese einiger heimischer Bodenschätze hatten.) Des
entstehungsgeschichtlichen Hintergrundes wegen konnte sich nicht besonders viel organisches Material
ablagern, entsprechend klein sind die Kohlenflöze am Nonnenstein; man kann hier eher von Flözchen
oder
Kohleschmitzen sprechen,
Einer der vielen Schurfe am Nonnenstein
welche einen Abbau erst einmal nicht lohnenswert erscheinen lassen. Dass es trotzdem zu einem Abbau kam, kann
eigentlich
nur mit einem großen Mangel an Brennmaterial erklärt werden, der aber auch
historisch mehrfach belegt ist. Zu diesem Bergbau gibt es fast keine Daten, weder zu welcher Zeit der Abbau
stattfand (an dieser Stelle sei eine Mutmaßung erlaubt: Irgendwann Mitte/Ende des vorletzten
Jahrhunderts) noch eine Betriebsdauer oder ein Grubenname sind überliefert, es kann auch sein, dass es
sich
um einen „wilden Bergbau" gehandelt hat. Die verzeichneten Grubenfeldverleihungen bezogen sich auf
Eisenstein und Bleiglanz, auf Kohle hingegen nicht. Die jüngste überlieferte Befahrung eines der
Stollen
datiert aus dem Jahre 1905, Hintergrund war die Beschaffung von Informationen zur Anfertigung einer
naturwissenschaftlichen Dissertation.
Der geologische Bau des Nonnensteins
Nonnenstein, Gehnmulde u. Limbergsattel (Egge)
Der geologische Bau des Nonnensteins, der Gehnmulde und der Preußisch Oldendorfer Egge,
einer sog. antiklinalen Struktur. Die Schichten an der Nordflanke des Limbergsattels fallen von Süden
nach Norden ein. Die Schichten vom Kamm und der Nordflanke des Nonnensteins finden sich an der
Südflanke
des Limbersattels wieder, was für Abbaue auf der Oldendorfer Egge im gleichen Horizont wie dem des
Nonnensteins sprechen könnte. Grafik zitiert aus einer Lohmannschen Aufnahme a. d. J. 1909. Photo:
NASA
World Wind / NASA Terrain Profiler / Microsoft Virtual Earth Layer/ ScanSat 3D
Ein tradierter Irrtum oder ein weiteres unbekanntes Bergwerk?
Einige Kilometer weiter nördlich soll es in der Pr. Oldendorfer Egge einen weiteren Abbau im gleichen
Horizont gegeben haben. Sogar die Kohle, so heißt es, gliche der des Nonnensteins - es seien organische
Spuren nachweisbar gewesen. Da bei dem in Pr. Oldendorf abgebauten kohleählichen Material, dem
Impsonit,
kein Zellennachweis erbracht werden konnte, wird keine Verwechslung mit diesen hinlänglich bekannten
Pr.
Oldendorfer Abbauen vorgelegen haben, zumal die Erwähnung des Kohlestollen auf der Oldendorfer Egge von
Grupe, Dienemann und Haack (1929) stammt, Geologen also, denen die Unterschiede bekannt waren. Leider
konnte noch nicht eruiert werden, ob die drei Geologen diesen unbekannten Abbau selber befuhren oder
Informationen darüber aus Schriften anderer übernommen haben. Die erwähnten bekannten Pr.
Oldendorfer
Abbaue lagen stratigraphisch und geographisch tiefer als am Nonnenstein. Eine schlüssige Erklärung
kann
derzeit leider nicht gegeben werden. Es könnte sich um einen noch unbekannten Bergbau handeln (evtl.
der
„Berger Erbstollen"?). Eine andere Möglichkeit wäre eine Verwechslung bzw. Gleichsetzung des
Kohle- u.
Impsonitabbaues seitens eines frühen Schreibers; eine Ungenauigkeit, welche von späteren Autoren
u. U.
übernommen worden sein könnte. Die anderen Pr. Oldendorfer „Pseudo-Kohle"-Abbaue haben einen
völlig
anderen Hintergrund und sind mit den „richtigen" Kohlevorkommen am Nonnenstein nicht zu vergleichen.